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Tango tanzen mit Genuss auf der Milonga

Nach argentinischer Tradition Tango tanzen – eine Kunst für sich? Besonders für Einsteiger erscheint der Besuch einer Milonga oder eines Tangofestes oft wie ein Abenteuer in einer unbekannten, rätselhaften Welt. Aber auch Tänzer/innen mit etwas Erfahrung kennen oft nicht alle „Geheimnisse“ einer Milonga. Damit das Tango tanzen in der Gemeinschaft zum echten Vergnügen wird, möchten wir euch hier einige wertvolle Tipps für die Pista (Tanzpiste) geben.

Auf den Milongas von Buenos Aires wirkt die meist volle Tanzfläche wie ein organischer, ruhiger Fluss. Die vielen Tanzpaare scheinen sich durch unsichtbare Zeichen zu verstehen, es herrscht ein geradezu magisches, harmonisches Miteinander auch auf engstem Raum. Dies wird von Europäern oft bewundert – dabei ist es gar nicht so schwer, diese Harmonie beim Tango tanzen auch auf heimischen Tanzpisten zu erreichen!

Die Milonga-Regeln: Basiswissen zur Musik

Bei einer traditionellen Milonga wird die Musik zusammengestellt in Tandas, Gruppen von ähnlichen Musikstücken, und Cortinas, kurze Zwischen-Musikstücke in deutlich anderem Stil, z. B. Swing, Salsa. Diese Regel gilt, wenn ein Tango-DJ auflegt, aber auch oft bei Live-Konzerten.

Eine Tanda besteht meistens aus jeweils vier Tangos oder vier Valses – Tangos im Walzertakt, oder auch vier Milongas – hier ist der Musikstil Milonga gemeint, ein schneller, urtümlicher Rhythmus. Die einzelnen Stücke einer Tanda werden jeweils oft vom gleichen Orchester interpretiert oder zumindest harmonisch aufeinander abgestimmt.

Es gibt auch moderne Milongas, bei denen gemischte Musik aufgelegt wird: traditionelle Tangos, Weltmusik, Non-Tango, Tango Nuevo oder Elektrotango … es ist erstaunlich, zu welchen Arten von Musik man wunderbar Tango tanzen kann! Hier wird die Musik manchmal auch nicht in Tandas und Cortinas gruppiert, sondern nach Lust und Laune des DJ zusammengestellt.

Cabeceo – die Aufforderung zum Tango tanzen

Erfahrene Tänzer schätzen die argentinische, nonverbale Art des Aufforderns per Blickkontakt und Kopfnicken, das Cabeceo (von cabeza = spanisch für Kopf). Sowohl Männer als auch Frauen versuchen nach der Cortina, Blickkontakt mit ihrem Wunschpartner für die nächste Tanda herzustellen, egal wie groß die Entfernung ist. Der Mann fordert die Frau nun per Kopfneigung, -nicken, Augenbrauen heben o. ä. auf, die Frau erwidert mit Kopfnicken und Lächeln – oder eben nicht, wenn sie mit diesem Partner gerade nicht Tango tanzen möchte! Ein unbestimmter Blick in eine andere Richtung ist ein klares Signal und gilt keinesfalls als unhöflich. Dies ist eine sehr elegante Art, seine Tanzpartner auszuwählen und bewahrt einen davor, einen Korb geben oder einstecken zu müssen.

Wenn die Frau die Aufforderung erwidert hat, bleibt sie zunächst sitzen. Der Mann geht zu ihrem Platz und holt sie ab. Währenddessen behalten beide möglichst den Blickkontakt, damit sie sich über ihre „Verabredung“ auch sicher sein können. Erst wenn der Mann bei der Frau ankommt, steht sie auf und kommt ihm auf der Tanzfläche entgegen. Nach dem Ende der Tanda begleitet der Mann sie zurück zu ihrem Platz.

Natürlich kann man zum Tango tanzen auch verbal auffordern, jedoch sollte ein höfliches „Nein, danke“ eines Tänzers oder einer Tänzerin ohne Weiteres und freundlich akzeptiert werden, denn es ist das Normalste der Welt, dass man nicht zu jeder Zeit mit jedem tanzen möchte!

Man tanzt in der Regel eine Tanda mit einem Partner oder einer Partnerin bis zu Ende, anschließend dient die Cortina dazu, dass sich alle Tanzpaare trennen und neu zusammenfinden.

Generell tanzt man die Cortinas nicht. Dennoch kommt es in Buenos Aires durchaus vor, dass einige Paare, die in den Musikstilen, die in den Cortinas gespielt werden – wie z. B. Salsa, Swing oder Cumbia – zu Hause sind, auch tanzen. So kann es sein, dass sich die Tanzfläche während der Cortinas füllt. Es gilt aber, diese anderen Rhythmen nicht mit Tangoschritten zu tanzen, dafür gibt es spezielle Milongas, auf denen „Non-Tangos” gespielt werden.

Alle Regeln funktionieren natürlich auch für Paare, die mit vertauschten Rollen tanzen oder für gleichgeschlechtliche Paare. Man spricht daher heute statt von „Mann“ und „Frau“ auch häufig einfach von „Führenden“ und „Folgenden“.

Harmonie auf der Tanzpiste ­- wie funktioniert das?

Mit den bewährten Regeln zum Tango tanzen auf einer Milonga – den Códigos de la Milonga. Sie sind nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern ermöglichen ein rücksichtsvolles Miteinander auf der Tanzfläche, so dass man entspannt und auf den Partner konzentriert tanzen kann.

Die Tanzrichtung beim Tango Argentino ist immer der umgekehrte Uhrzeigersinn. Um die Tanzfläche, die Pista, zu betreten, ist es für Männer oder Führende wichtig, eine Lücke zwischen zwei Tanzpaaren abzuwarten und Blickkontakt mit dem nachfolgenden Paar aufzunehmen, um dieses „vorzuwarnen“ und nicht zu stören. Der Führende macht niemals Rückwärtsschritte gegen die Tanzrichtung! Das Geheimnis des harmonischen Miteinanders beim Tango tanzen sind die unsichtbaren Spuren: jeweils zwei Spuren laufen nebeneinander am äußeren Rand des Tanz-Kreises, der Ronda. Man entscheidet sich für eine dieser Spuren und bleibt dann dort, ohne zu überholen. Das Tempo wird dem vorangehenden Paar angepasst. Wenn man doch einmal glaubt, überholen zu müssen, dann nur links am Paar vorbei!

Beim Tango tanzen kommt es nicht auf Schnelligkeit, Kilometer sammeln oder ständiges Vorwärtsgehen an – es gibt viele schöne Figuren und Drehungen, die man auf der Stelle tanzen kann! Man drängelt nicht und hält immer so viel Abstand, dass niemand gefährdet wird. Sobald das vorhergehende Paar sich entfernt, schließt man auf, denn man möchte ja selbst keinen Stau verursachen.

Die Mitte des Kreises wird von den Tanzpaaren nicht betreten, sie dient höchstens als Übungsfläche für Anfänger oder auch mal für Show-Paare, die etwas Besonderes zeigen wollen. Doch auch hier ist nicht „freie Wildbahn“, die Kreis-Idee bleibt bestehen. Mit großen Schritten quer oder zickzack durch die Tanzfläche zu pflügen ist in jedem Fall schlechter Stil und zudem gefährlich!

Wie kann man sonst noch Pisten-Stress vermeiden?

Wenn es doch einmal zu einem kleinen „Tanzunfall“ kommt, entschuldigen sich beide, egal wer der Verursacher war. Man vergewissert sich gegenseitig, dass alles in Ordnung ist. Tango tanzen ist kein Kampfsport oder Autoscooter, alle Milonga-Teilnehmer sollten mit viel Rücksicht auf die anderen Paare tanzen. Man tanzt nie allein mit dem Partner, sondern in Gemeinschaft mit allen anderen Tänzern. Daher gilt auch: je voller die Milonga, desto kleinräumiger die Figuren. Raumgreifende Bewegungen wie hohe Voleos, Ganchos oder andere Tango-Figuren, die viel Platz benötigen, passen nur, wenn wirklich sehr viel „Luft“ ist, z. B. am Ende des Abends, ansonsten ist die Verletzungsgefahr groß.

Wenn ihr diese Regeln beherzigt, steht einem ungetrübten Tanzgenuss nichts mehr im Wege. In diesem Sinne wünschen wir euch viel entspanntes, inniges und ausschweifendes Vergnügen beim Tango tanzen! Vamos a bailar!

Auf unserer Youtube-Seite findet ihr ein Video über Pistenkultur und Cabeceo: hier geht’s zum Video!

Weitere Details und Videos zum Thema gibt es hier: http://pagewizz.com/tango-tanzen-mit-stil-32383/

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